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Wertpapiere erklärt: Was ist eine Anleihe?

Aktualisiert: 23. Mai 2021

Anleihen sind eines der populärsten Finanzprodukte von Kleinanlegern und werden insbesondere zur Absicherung eines Depots verwendet. Doch wie funktionieren Anleihen überhaupt?




Was ist eine Anleihe überhaupt?

Eine Anleihe (bzw. Schuldverschreibung, Rentenpapier oder Obligation) ist ein zinstragendes Wertpapier, bei dem der Käufer des Vermögenstitels zwei Rechte erwirbt:

  • Zinszahlung: Der Käufer erhält als Gegenleistung für die Überlassung des Kapitals während der Laufzeit des Wertpapiers einen vereinbarten Zins.

  • Tilgung: Nach Ablauf der Laufzeit wird die Investition an den Käufer zurückbezahlt.

Je nach Art der Anleihe muss die Verzinsung allerdings nicht immer fest sein - durch eine Koppelung an die Inflation oder einen Referenzzinssatz (bspw. EURIBOR) kann der Zins auch variabel sein.



Anleihen haben eine fix definierte Laufzeit - die Zinsausschüttung geschieht je nach Vereinbarung des Papiers regelmäßig während der Laufzeit oder auch am Ende der Laufzeit. Eine Anleihe muss allerdings nicht bis zum Ende der Laufzeit gehalten werden.


Kaufen oder Verkaufen kannst du Anleihen zum jeweils aktuellen Kurswert an einer Börse. Dabei solltest du jedoch auf die Mindeststückelung achten, das ist der Betrag, den du mindestens in eine Anleihe investieren musst (bspw. 1.000€).


Warum Anleihen?

Herausgeber von Anleihen werden Emittenten genannt, dies können zum Beispiel Unternehmen oder Staaten sein. Die Emittenten können Anleihen als Finanzierungsinstrument benützen, um zusätzliches Kapital zu erhalten.



Der große Unterschied zum Beispiel zu einer Aktie für Anleger ist der, dass man mit einer Anleihe keine Anteile am Unternehmen erwirbt. Eine Anleihe dient als Fremdkapital (d.h. Schulden) für das jeweilige Unternehmen bzw. den Staat. Du kannst das also damit vergleichen, als würdest du einer Firma einen Kredit gewähren.


Arten von Anleihen

Man kann die Anleihen grob in Staatsanleihen (Emittent ist ein Staat) oder Unternehmensanleihen (Emittent ist ein spezielles Unternehmen) unterscheiden:

  • Staatsanleihen werden von einzelnen Ländern ausgegeben und sind je nach Bonität und Zahlungsfähigkeit des Staates ein sichereres Investment. Die Österreichische Republik begibt also zum Beispiel so genannte Bundesanleihen, um sich langfristig Kapital zu sichern.

  • Unternehmensanleihen werden von Unternehmen emittiert, wenn sie zusätzliche Kapital benötigen. Der Vorteil für Firmen ist wie gesagt der, dass sie dabei keine zusätzlichen Anteile hergeben müssen. Dafür müssen sie regelmäßige vereinbarte Zinsen an die Käufer der Anleihen zahlen. Am Ende der Laufzeit muss dann das geliehene Geld (sog. Nennwert) zurückgezahlt werden. Ein weiterer Unterschied zu Aktien ist der, dass die Zinsen verpflichtend bezahlt werden müssen, wohingegen die Auszahlung einer Dividende bei Aktien meist abhängig vom Unternehmenserfolg ist.


Begriffe, die du kennen solltest

Die drei wichtigen Faktoren einer Anleihe sind die Nominale (oder auch Nennwert), der Kuponzins sowie die Laufzeit. Im Detail:

  • Die Nominale ist die Stückelung der Anleihe. Ist der Nennwert der Anleihe also beispielsweise 1.000€, kann der Anleger eine Anleihe zu genau diesem Preis erwerben. Möchte er mehr als nur ein Stück kaufen, kann er weitere Anleihen jeweils um 1.000€ pro Stück kaufen. Am Ende der Laufzeit wird der Nennwert der Anleihe an den Besitzer zurückbezahlt.

  • Der Kuponzins ist der in der Anleihe vereinbarte Zins, den das Unternehmen oder Staat bereit ist, zurückzubezahlen. Die Auszahlung und die Höhe des Zins ist abhängig je Anleihe - in der Regel gilt, je höher der Kuponzins ist, desto risikoreicher ist auch das Wertpapier und das Investment. Die häufigste Variante zur Zinsauszahlung ist jährlich.

  • Die Laufzeit einer Anleihe beginnt ab 3 Jahren, kann aber auch deutlich länger (bspw. über 30 Jahre) sein. Da du in der Regel nicht 30 Jahre oder länger auf deine investierte Summe warten willst, werden Anleihen, wie Aktien auch, an der Börse gehandelt. Aber Achtung: Der Kurs einer Anleihe wird nicht in Euro, sondern in Prozent bemessen.

Ein Beispiel

Angenommen du willst eine Unternehmensanleihe mit einer Nominale von 1.000€ kaufen. Der Kuponzins beträgt 2% pro Jahr bei einer Laufzeit von 10 Jahren.

Jedes Jahr wird somit ein Kuponzins von 20€ ausbezahlt, am Ende der Laufzeit wird zusätzlich noch die Nominale fällig. Für dieses Beispiel erfolgt vom Unternehmen also eine insgesamte Auszahlung in der Höhe von 1.200€.

Angenommen, der Kurs der Anleihe steht beim Kauf bei 100%. In diesem Fall muss also 100% der Nominale für das Wertpapier gezahlt werden, also 1.000€. Der Betrag wird am Ende der Laufzeit zurückbezahlt.

Notiert der Kurs beispielsweise bei 90%, musst du als Anleger nur 900€ zahlen, um am Ende die Nominale von 1.000€ zu erhalten. In diesem Fall hast du die Anleihe also günstiger gekauft und erhältst neben dem Zinsgewinn auch einen Kursgewinn.



Fazit

Du kannst Anleihen also zur Absicherung deines Depots verwenden. Auch Anleihen haben jedoch Potential zur Spekulation (Stichwort Griechenland). In der Regel sind Anleihen deutlich risikoärmer als Derivate und bringen den zusätzlichen Vorteil, dass Anleihehalter im Falle einer Insolvenz immer zuerst bedient werden.

Wir lesen uns,

Christopher von eduInvest.

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