• Christopher

Finanzmythen im Faktencheck

Es gibt viele Mythen am Finanzmarkt, die sich konstant halten und dadurch "Neulinge" abschrecken, ihr Geld am Aktienmarkt zu investieren. Hier ein kurzer Faktencheck!


Mythos #1: Das Sparbuch ist die beste Lösung!

In meinem Blog Ist das Sparbuch wirklich die beste Lösung? habe ich bereits über einen Vergleich zwischen Sparbuch und ETF-Veranlagung geschrieben. Das Sparbuch sorgt zwar für Kapitalerhalt, durch die jährliche Inflation von aktuell ca. 2% pro Jahr und einem gleichzeitigen Niedrigzinsumfeld (bzw. Nullzins) verliert das Geld am Sparbuch allerdings Jahr für Jahr an Wert. Somit gilt, dass der Realzins für die Anleger negativ ist!

Wenn man zum Beispiel einen Einmalerlag von 10.000€ in ein Online-Sparkonto mit 0,2% p.a. anlegt, erhält man nach 15 Jahren einen Betrag von 10.304€. Wenn man hingegen die Inflation von 2% pro Jahr gegenrechnet, ist das Geld real nach 15 Jahren nur mehr 7.615€ Wert. Somit kann man sich nach 15 Jahren um dieselben 10.000€ vergleichsweise nur mehr Waren und Dienstleistungen im Wert von 7.615€ kaufen.

Am Aktienmarkt sind durchaus höhere Renditen möglich, um nicht nur die Inflation auszugleichen, sondern zusätzlich sein Geld zu vermehren.

Wichtig dabei ist zu verstehen, dass Geld, welches an der Börse angelegt wird, nicht automatisch verlorenes Geld ist.

Das Sparbuch oder das Online-Sparkonto sollte ausschließlich dazu dienen, um sich selbst einen Notgroschen beiseite zu legen.


Mythos #2: Um an der Börse zu investieren, braucht man doch ein Mathematik-Studium

Falsch - nur um sein Geld langfristig und gewinnbringend am Aktienmarkt zu investieren, muss man noch lange nicht Mathematik studiert haben. (Und das kommt von einem Mathematik-Studium-Absolventen!).

Wichtig ist nur, einige Grundregeln zu beachten, wenn man investieren will. Seine Investments sollte man breit streuen, um ein Klumpenrisiko zu vermeiden (z.B. mit einem breit gestreuten Standard-ETF wie auf den FTSE All World). Außerdem sollte man sich vorab genaue Ziele setzen, was man mit seiner Anlage bewirken will. Will man z.B. für die Rente Geld ansparen oder kurzfristig Gewinne machen?

Meines Erachtens wichtig ist auch noch, worin man investiert. Die Welt der Finanzprodukte kann zugegebenermaßen komplex sein - investiere daher nicht in Produkte, mit denen du nichts anfangen kannst oder deren Funktionsweise du nicht verstehst.

Fun-Fact am Rande: Sogar der geniale Isaac Newton, seines Zeichens Mathematik-Genie und einer der größten Wissenschaftler der Geschichte, hat damals an der Börse viel Geld verloren. Er investierte damals in Aktien der South Sea Company. Im August 1720 platzte dann jedoch die "South Sea Bubble" - die Aktie stürtze von damals über 1000 Pfund auf (ihren Ursprungswert) von ca. 100 Pfund ab. Sir Isaac Newton verlor dadurch Überlieferungen zufolge ca. 20.000 britische Pfund - nach Anpassung der heutigen Kaufkraft wären das wohl ungefähr 3 Millionen britische Pfund bzw. 3,3 Millionen Euro.


Mythos #3: Man kann nur investieren, wenn man auch viel Geld hat

Falsch, es ist heutzutage sehr leicht, auch mit geringem Einkommen sein Geld kostengünstig am Finanzmarkt zu investieren. Es ist durchaus möglich und sinnvoll (zum Beispiel in jungen Jahren) einen Sparplan ab 25 Euro pro Monat einzurichten.

Wichtiger als die investierte Summe ist allerdings der Zeitpunkt, ab dem man beginnt zu investiert. Denn es gilt: Je früher desto besser. Bei durchschnittlichen Renditen von ca. 7% pro Jahr kann man den sogenannten Zinseszins-Effekt mehr und mehr ausnützen. Du kannst hier mehr darüber lesen.

Das Wissen darüber muss jedoch steigen und gefördert werden. Finanzbildung muss vermehrt unterrichtet werden, im Familien- und Freundeskreis besprochen werden. Es muss aufgezeigt werden, wie wichtig und richtig es ist, früh mit dem Sparen zu beginnen und das es auch Alternativen zum klassischen Sparbuch gibt.


Mythos #4: Timing ist beim Aktienkauf doch sehr wichtig!

Das ist nur bedingt richtig. In der Theorie kling der Mythos jedoch ganz gut - die eine Aktie finden, die man zum niedrigsten Preis kauft, um in Zukunft Gewinne zu machen.

Grundsätzlich ist nach einer Kurskorrektur an den Börsen zwar ein guter Einstiegszeitpunkt. Viel wichtiger als das Timing ist der Zeithorizont, also wie lange man sein Kapital am Markt veranlagen will. Solange man sein Geld langfristig anlegen will, sei es in einen ETF oder in Einzeltitel, spielt es eine sehr untergeordnete Rolle, ob man 1 Prozent über dem Tiefststand eingekauft hat oder nicht.

Wenn man sein Geld über einen monatlichen Sparplan investiert, spielt der Einstiegszeitpunkt dann überhaupt keine Rolle mehr. Man kauft immer zum selben Zeitpunkt (z.B. am ersten des Monats) eine unterschiedliche Anzahl an Anteilen um einen fixen Preis. Durch den sogenannten Cost-Average-Effekt werden schwankende Kurse geglättet - bei hohen Kursen werden weniger Anteile gekauft, bei niedrigeren Kursen dafür mehr. Auf lange Sicht werden die Anteile also zum Mittelwert gekauft - niedrige und hohe Kurse gleichen sich aus.


Mythos #5: Man muss die perfekte Aktie finden, um Geld zu verdienen.

Am besten wäre es, sein Geld in ein Unternehmen zu investieren, welches sehr gut dasteht, hohes Wachstum aufweist und gleichzeitig ein Schnäppchen ist. Hier muss ich jedoch enttäuschen - so ein Unternehmen wirst du nur sehr schwer finden.

Gerade in der heutigen Welt, wo sich Informationen und News von und zwischen Unternehmen wahnsinnig schnell verbreiten, ist es für einen Privatanleger schwierig, hinterherzukommen.

Der Vorteil, den du als Privatanleger üblicherweise hast, ist die Zeit. Du brauchst also nur Geduld an den Tag legen, dir vernünftige Investments suchen (breit gestreute ETF oder unterschiedliche solide Unternehmen, von denen du überzeugt bist, dass sie in 10 bis 20 Jahren besser dastehen als heute) und abwarten.


Welche Mythen sind dir bis jetzt untergekommen?


Wir lesen uns,

euer eduInvest!

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