• Christopher

ETF Camp: Wie wird der Index nachgebildet?

Für einen ETF gibt es zwei Methoden, einen Index abzubilden: Physisch oder synthetisch. Was ist der Unterschied, was sind die Vor- und Nachteile?


Das Ziel jedes ETF ist es, den zugrundeliegenden Index möglichst genau und kostengünstig wie möglich abzubilden. Es gibt im wesentlichen zwei Methoden, den Index nachzubilden:

  • Physische Replikation

  • Synthetische Replikation


Die klassische Methode - physische Replikation

Bei der physischen Nachbildung (direkte oder vollständige Replikation) wird der Index durch den ETF abgebildet, indem die entsprechenden Indextitel direkt gekauft werden. Die Gewichtung der Käufe entspricht genau der Zusammensetzung des Index.


Ein Beispiel: Der österreichische Aktienindex ATX (Austrian Traded Index) setzt sich aus 20 Einzeltitel zusammen. Die größten 5 Positionen sind:

  • Erste Group AG

  • OMV AG

  • Verbund AG

  • Voestalpine AG

  • Wienerberger AG


Der ETF iShares ATX UCITS ETF (ISIN DE000A0D8Q23) bildet den ATX mittels physischer Replikation nach. Er investiert in genau die 20 Einzeltitel, die sich im ATX befinden. Die größte Position ist, analog zum zugrundeliegenden Index, ebenfalls die Erste Group AG. Die Gewichtung ist dabei analog wie die des ATX.


Die vollständige Replikation ist bei einem vergleichsweise kleineren Index wie dem ATX oder DAX (30 Titel) noch relativ einfach und kostengünstig möglich. Gerade bei größeren und breit gestreuten Indizes, wie beispielsweise dem FTSE All-World, der über 3.400 Einzeltitel enthält, stößt die Methode jedoch an ihre Grenzen. Bei solchen ETF's werden die abzubildenden Indizes in der Regel mit sogenanntem Sampling nachgebildet.

Bei der Methode des Samplings werden unter Berücksichtigung bestimmter Kriterien nur die wichtigsten oder liquidesten Titel gekauft (üblicherweise die, die die Entwicklung des Index am Stärksten prägen). Die Gewichtung und somit die Zusammensetzung des ETF entspricht also nicht mehr 1:1 der des Index.

Eine weitere Möglichkeit ist die des optimierten Samplings. Mit der Näherungsmethode werden unter Verwendung von Optimierungsverfahren nur die wenigen Titel ausgewählt, die Indexentwicklung stark beeinflussen.

Wichtig zu wissen bei allen physischen Replikationsmethoden ist, dass der ETF direkt in die Titel investiert. Das heißt egal welche Aktien zur Nachbildung gewählt werden, die Anteile werden trotzdem direkt vom ETF-Anbieter gekauft.


Die alternative Methode - synthetische Replikation

Eine weitere Art der Nachbildung ist die synthetische (indirekte) Replikation. Die Indexnachbildung erfolgt hier nicht über den direkten Erwerb von einzelnen Aktientiteln, vielmehr wird der Index über ein Tauschgeschäft (Swap) repliziert. Dabei schließt der ETF-Anbieter einen Vertrag mit einem Finanzinstitut ab, das sich dazu verpflichtet, im Tausch gegen eine Gebühr (zzgl. der Rendite des Trägerportfolios - siehe unten) die Rendite (inklusive der Dividendenzahlungen) des Index zu liefern. Hierbei handelt es sich um ein sogenanntes Derivatgeschäft.

Die Gelder der Kunden werden in einen Wertpapierkorb investiert (das Trägerportfolio), das als Sicherheit für das Swap Geschäft dient.

Das Interessante: Das Wertpapierportfolio muss nicht aus den Titel bestehen, aus denen sich der Index zusammensetzt. Ein synthetischer ETF auf japanische Aktien (MSCI Japan) kann im Sicherheiten-Portfolio beispielsweise amerikanische oder europäische Aktien beinhalten. Dem Endkunden (Anleger) wird durch den Swap aber die Rendite des gewählten Index - in dem Beispiel die des MSCI Japan - geliefert.

Je nachdem wie die Sicherheiten hinterlegt sind, kann man synthetische ETF's zwischen einem ungedeckten (unfunded) oder gedeckten (funded) Swap unterscheiden. Bei einem unfunded Swap hält der ETF die Sicherheiten (d.h. das Portfolio) direkt selbst. Bei einem funded Swap sammelt der Swap-Kontrahent (das Finanzinstitut) und hinterlegt diese bei einem unabhängigen Treuhänder.


Synthetische ETF bieten die Möglichkeit, in illiquide Märkte oder andere Anlageklasse wie Rohstoffe, Gold etc. zu investieren, die ohne synthetische Nachbildung schwer bis gar nicht zugänglich wären. Außerdem ist durch die Abbildung über Swaps der ETF in vielen Fällen in der Lage, den Index effizienter und besser nachzubilden.

Ein wichtiger Punkt bei dieser Art der Replikation sind außerdem die zusätzlichen Kosten - die Swap-Gebühren. Die sind nämlich nicht in der TER, der Total Expense Ratio, enthalten und können so die gesamte Fondsrendite gegenüber der Indexrendite schmälern.



Für was entscheide ich mich denn nun?

Wie du sehen kannst, gibt es für beide Arten der Nachbildung, also der physischen und synthetischen, Vor- und Nachteile. Transparenter und einfacher zu verstehen sind die physischen ETF's. Wenn man seinem Portfolio alternative Assetklassen wie Rohstoffe beimischen will, führt an den synthetischen ETF kaum ein Weg vorbei.

Ich persönlich bevorzuge physische ETF's, da dabei wirklich auch (zumindest der Großteil) der Titel gekauft werden, die sich im Index befinden. Aber auch der synthetische ETF kann aufgrund einer effizienteren Nachbildung Vorteile liefern.

Wichtig ist, dich vor einem Investment immer zu informieren, wie der ETF den Index abbildet und wie er sich zusammensetzt.

Wir lesen uns,

euer Christopher von eduInvest.


16 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen